Lanzhou – Wuwei – Zhangye

In meinem Hotelzimmer in Yongdeng befinden sich Gasmasken. Das finde ich recht eigenartig. Für meinen Komfort und meine Sicherheit heisst es….  Gebraucht habe ich diese Gasmasken zum Glück nicht.

Bis dato bin ich noch keinem Velo-Tourenfahrer begegnet obwohl ich jetzt schon gute zwei Wochen unterwegs bin. Doch endlich nähert sich mir ein Fahrer und in der nächsten Ortschaft machen wir Bekanntschaft. Wir wollen beide entlang dem Hexi-Korridor radeln und beschliessen die Weiterfahrt gemeinsam anzugehen.  Kofu ist ein 60-jähriger Chinese und er war bis vor kurzem noch als Elektro Ingenieur tätig. Jetzt will er seien dritten Lebensabschnitt geniessen und bereist sein Land per Fahrrad. Mit recht wenig Gepäck scheint mir. Dennoch hat Kofu ein Zelt dabei. Am Abend in Gulang angekommen, will er campieren. Es ist um die 4 Grad kalt und schlechtes Wetter gemeldet. So überzeuge ich ihn die Nacht im selben Hotel zu verbringen wie ich es vorhabe. Nachdem er offenbar ein sehr schmales Budget hat, offeriere ich ihm sein Zimmer für eine Nacht, welches er mit grosser Freude annimmt.  Nach dem Einchecken geniessen wir ein leckeres Nachtessen mit Stäbchen und es ergibt sich ein angeregtes Gespräch. Da es inzwischen richtig spät ist und für den nächsten Tag sogar Schneefall gemeldet wird, sind wir uns schliesslich einig, dass wir morgen die Stahlesel ruhen lassen. Wie mir Kofu bei der weiteren Routen- und Tagesplanung erklärt, ist wildes Campen für Ausländer offiziell nicht gestattet! Diese sollten nicht ohne Polizeierlaubnis irgendwo im Freien Zelte aufstellen. Na ja, das habe ich soweit auch schon festgestellt und manchmal ist es für mich als Fremder gar nicht möglich in einem Hotel zu übernachten, lasse ich ihn wissen.  Das will er irgendwie nicht so ganz verstehen. Aber egal! Kofu will mir eine Nacht im Zelt spendieren, denn mit ihm soll es kein Problem geben. OK, da bin ich mal gespannt.

Nach dem Ruhetag zeigt sich das Wetter wieder von der schönen Seite und die Fahrt zu zweit macht Spass. Wir kommen sehr zügig voran. Am Ende des Tages nach 170 KM suchen wir einen geeigneten Platz fürs Zelt. Irgendwie werden wir aber nicht fündig.Letztlich meint Kofu wäre es wohl besser die Nacht wiederum im Hotel zu verbringen. Schau, da ist doch schon eins und rein geht’s…. Zu seinem Entsetzen bin ich mit meiner Staatsbürgerschaft allerdings nicht erwünscht. Voilà, da haben wir’s. Sogar seine Redekünste ändern nichts daran. So ergreife ich mein Handy und suche nach Hotels im Trip.com und finde eins wo beide willkommen sind… Halt etwas teurer aber wir nehmen eben ein Doppelzimmer und teilen uns die Kosten. Leider habe ich es heute etwas übertrieben mit den grossen Gängen und der Führungsarbeit. Es melden sich starke Knieschmerzen. Darum ist es für mich vernünftiger fortan wieder mein eigenes und etwas gemächlicheres Tempo zu fahren und darauf zu achten, mit kleinen Übersetzungen und einer hohen Trittfrequenz in die Pedale zu treten. In der Stadtapotheke in Yongchang gibt es Voltaren Tabletten und einen Spray mit einem Wundermittel drin.  Am nächsten Tag fährt Kofu alleine weiter und ich schone mein Knie mit einem velofreien Tag und verordne mir ab sofort wieder täglich die wichtigen Übungen für meine Gelenke. Auch nehme ich die Blackroll aus dem Gepäck hervor um die Fazien zu bearbeiten und benütze den Wunderspray für’s Knie. Das alles bekommt mir offenbar sehr gut.

Nach zwei weiteren Tagen Fahrt durch das Tal des Hexi-Korridors, welches einst die einzige westliche Passage in und aus China war, erreiche ich Zhangye. Sehenswert ist hier der Geopark, wo es hunderte von Regenbogenberge zu bewundern gibt. Manche Berge erscheinen derart unwirklich, dass man glaubt diese seien künstlich erbaut worden. Doch die farbigen Gesteine sind natürlichen Ursprungs und echt. Shuttlebusse bringen die Besucher zu den verschiedenen Plattformen, von wo aus die unterschiedlichen Felsformationen zu sehen sind. Dazu wird überall klassische Musik abgespielt. Ein eindrückliches Erlebnis.