Dunhuang – Hami – Turpan
Für die Taiwanesen Gruppe war in Dunhuang Endstation. Fortan bin ich wieder auf mich alleine gestellt, was sich bei dem brutalen Gegenwind sofort bemerkbar macht. Die Wüstenstadt Hami ist für seine Melonen berühmt. Speziell die Honig-und Netzmelonen. In dieser Region regnet es selten und in den Sommermonaten ist „heiss“ wohl nur ein Fremdwort. Für mich bedeutet diese enorme Hitze, dass ich nicht mehr länger tagsüber fahre. Bei Temperaturen um die 45 Grad, ist es trotz dem Fahrtwind nicht mehr auszuhalten. Nachdem die Strassenqualität sehr gut ist und ich hier sogar oft auf der Autobahn mit Pannenstreifen fahren darf, sehe ich kein Problem durch die Nacht zu radeln. Bis Turpan bleiben mir noch rund 400 Kilometer oder eben drei Nächte. Dieser Entscheid war genau der richtige. Es läuft sehr gut. Schwierigkeiten ergeben sich jedoch immer wieder bei den Polizei Checkpoints. Trotzdem gelingt es mir mit viel Geduld und Warten jeweils den Posten passieren zu dürfen. Wichtig ist es mit den Beamten zu kooperieren sonst gibt es ein Desaster.
Die allgegenwärtige Polizeipräsenz spürt man hier in der autonomen Provinz Xinjiang vor allem in und um die Städte. Obwohl ich in der Ortschaft Shanshan ein Hotelzimmer reservieren konnte wird es bei meiner Ankunft morgens um 05.30 mühsam einzuchecken. Erst wecke ich die Rezeptionistin, dann muss ich scheinbar grundlos warten. Doch irgendeinmal kommt die Polizei angerückt, stellt mir die üblichen Fragen und studiert meinen Pass. Endlich lässt man mich mein Zimmer beziehen und gleich lege ich mich schlafen. Kaum im Tiefschlaf, klopft es an meiner Zimmertüre. Ich denke ist wohl Reinigungspersonal und ignoriere das Klopfen. Kurz später öffnet sich die Türe und es stürmen drei Uniformierte rein. Oha das ist mir ja noch nie im Leben passiert. Ich erschrecke und bin sofort hellwach. Die Beamten wollen alles von mir sehen. Erst muss ich mein Natel aushändigen, ich werde fotografiert und muss den Pass abgeben. Dann durchsuchen Sie gründlich mein Gepäck und stellen Fragen ohne Ende. Ich weiss gar nicht, was das Ziel von dieser Razzia sein soll. Irgendeinmal meinen die Männer es gehe um meine Sicherheit. Man will mich schützen. Vor was wollen Sie mich den schützen? Es sei gefährlich in dieser Gegend und ihr Auftrag sei es mich zu beschützen. Ok sage ich. Dann möchte ich gerne mal ihre Ausweise sehen und ich will sie auch fotografieren. Die Ausweise zeigen sie mir, jedoch muss ich die Fotos umgehend löschen. Diese können aber mit dem Handy vom gelöschten Status dann wiederhergestellt werden. Das wissen sie wohl nicht oder denken vielleicht ich weiss es nicht…. Die Beamten der Staatssicherheit lassen mich dann nach einer Stunde Untersuchung weiterschlafen und ich versichere ihnen die Ortschaft Shanshan noch vor Mitternacht zu verlassen. Nach einem anschliessend ruhigen und erholsamen Tag, geniesse ich am Abend im Restaurant „meine“ Nudelsuppe und gegen 23.00 nehme ich die nächste Nachtfahrt in Angriff. Problemlos geht’s aus dem Stadtteil raus und sobald ich auf dem Highway bin fühlt es sich für mich so richtig erlöst an. Inzwischen sehe ich diese Überwachung als Chance. Wenn ich dermassen beschattet werde, kann ich mich doch sicher fortbewegen ohne in Gefahr zu laufen bzw. zu fahren. In der Dunkelheit gibt es weinig Verkehrsaufkommen und momentan herrschen richtig angenehme Temperaturen. Die Strasse ist von sehr guter Qualität und auf dem Pannenstreifen kommen mir auch keine Fahrzeuge entgegen. So gefällt mir die Fahrt durch die Nacht und hier ist er der FLOW!
Langsam aber sicher nähere ich mich meinem Etappenziel Turpan. Wärmer als hier wird es in ganz China wohl kaum. Turpan ist weltweit der zweit tiefste Ort (154m unter dem Meeresspiegel) und die Region gilt als Chinas Death Valley. Im Sommer wird es in der Uigurisch-Chinesischen Stadt zeitweise über 50 Grad heiss. Dieser Ort an der nördlichen Seidenstrasse war über viele Jahrhunderte das Zentrum des Handels von West nach Ost bzw. von Ost nach West. Genau wie in Biel/Bienne werden hier auch zwei Sprachen praktiziert. Mandarin von den Han Chinesen und die Uigurische Sprache von den Uiguren, welche das arabische Alphabet benützen. Strassenschilder sind oft zweisprachig. Die Oasenstadt in der Taklamakan Wüste ist auch bekannt für seinen Wein. Als Abschluss meiner Etappe gönne ich mir beim Nachtessen natürlich ein paar Deziliter vom köstlichen Getränk.
Der Transport für mein Gepäck ist mit einem PW schon einen ziemlichen Knorz. Denn die meisten Taxis sind hier mit einem Gastank ausgestattet, welcher schnell mal die Hälfte des Kofferraums benötigt. Da passt ein Velokarton nur mit Mühe halbwegs rein.
Die Zeit vergeht so schnell, dass bereits die Heimreise bevorsteht und meine erste Etappe der Seidenroute abgeschlossen ist. Beeindruckt von den letzten zwei Monaten, dankbar und zufrieden, hoffe ich schon jetzt darauf, dass ich die Reise eines Tages genau hier wieder fortsetzen darf. Vielleicht bereits im 2019?