Kuqa – Aksu – Kashgar
Am nächsten Morgen schwinge ich mich motiviert auf mein Tourenrad und verlasse die Stadt Kuga Richtung Aksu. Schon nach 4 Kilometer Fahrt werde ich wieder verfolgt…. 300 Meter hinter mir fährt ein graues Auto „ohne Kontrollschilder“. Plötzlich wechsle ich meine Fahrtrichtung und gehe direkt auf die Verfolger zu. Kaum zu glauben. Es sind dieselben zwei Männer wie gestern. Also jetzt erlebe ich hautnah, wie hier im autonomen Bezirk Xinjang das Überwachungssystem funktioniert. Irgendwie bin ich beeindruckt ob dieser Präzision und doch etwas sprachlos. Ich frage die beiden Herren, was sie beabsichtigen und weshalb sie mich verfolgen. Wir begleiten sie. Es geht um ihre Sicherheit. Lassen Sie sich nicht stören. Nach weiteren 30 Minuten Fahrt, kommt eine Ortschaft und plötzlich sind die Staatsmänner verschwunden. Doch kurz nach Verlassen des Ortes steht eine neue Equipe bereit für den Einsatz. So setze ich meine Fahrt fort. Mal ein paar Kilometer mit dann wieder einige ohne Überwachungsbeamten. Abgesehen von diesen Begleitfahrten ist das Vorwärtskommen durch die Taklamakan Wüste eher monoton. Die asphaltierte Nationalstrasse G 314, Sand, Windräder, Strommasten, verkehrsarme Stassen, dünn besiedelt.
In der Ortschaft Aqialexiang lässt sich leider keine Unterkunft finden. So beschliesse ich das Abendessen bereits jetzt einzunehmen um dann gestärkt weiterzufahren. Im Restaurant sitzt eine Gruppe aus Lehrer- und Lehrerinnen. Die jungen Leute kommen ursprünglich alle von weit entfernten Ortschaften aus China. Jetzt sind sie während eines Jahres in diesem abgelegenen Ort mitten in der Wüste um zu unterrichten. Als sie mich alleine am Tisch sehen, bieten sie spontan einen Platz an ihrem Tisch an. Es findet ein intensiver Austausch statt und zu meiner Freude, kann wieder einmal auf englisch kommuniziert werden. Nach einer Weile erscheint ein Staatsbeamter im Lokal und kommt direkt auf uns zu. Er spricht zur Gruppe und im Anschluss dazu fordert er mich auf sofort mit ihm zum Polizeiposten zu kommen. Dort bietet mir ein Polizist eine Unterkunft (eine Zelle) an. Hoppla, das ist mir gar nicht geheuer und zum Glück entdeckte ich gerade eine Ratte! So kann ich ihm einen triftigen Grund (Vorwand) nennen, dass ich es bevorzuge durch die Nacht zu pedalen als hier zu nächtigen. Ok meint er, dann würden sie einen Transport organisieren, welcher mich in das 350 Kilometer entfernte Kasgar bringen werde. Nach langem hin und her und dank meiner Hartnäckigkeit und der absolut festen Überzeugung, dass ich jeden Kilometer mit meinem Fahrrad fahren will und werde, kam er auf eine andere Idee. Es gäbe ein Hotel im Ort, welches allerdings infolge Renovation geschlossen sei, jedoch könne er mich dort einquartieren. Er wolle mir helfen denn Angela Merkel sei eine Person, die es gut meine mit China….Ich danke ihm für seine Hilfsbereitschaft und lasse ihn im Glauben ich sei ein Deutscher. Als nächstes fahre ich gute 3 Kilometer hinter seinem schwarzen Auto ohne Kontrollschilder und ja das Hotel hat tatsächlich geschlossen. Er spricht kurz mit der Besitzerin. Diese teilt mir sofort ein Zimmer zu. Fünf Minuten später klopft es an der Zimmertüre. Ein weiterer Staatsbeamter wird sich im Zimmer gegenüber einquartieren und mich überwachen. Seine Botschaft lautet: Sie dürfen ihr Zimmer nicht ohne mein Einverständnis verlassen. Hier ist meine Telefonnummer. Wenn sie Hilfe benötigen, rufen Sie mich an. Ich bin hier um sie zu beschützen. Am Morgen um 09.00 rufe ich Ihn an und will nun weiterreisen. Ich werde Sie bis zur Autobahn begleiten. Tipp top, das passt mir. Dort angekommen gilt es erst mal zu warten. Weshalb denn? Es werde bald ein Fahrzeug kommen, welches mich nach Kashgar bringen wird…. Sofort interveniere ich und moniere er solle seinen Boss (den Oberstaatsbeamten) anrufen. Etwas später ist der Boss vor Ort. Nun beginnt wieder alles von vorne…. Nach einer Ewigkeit kann ich mich endlich erfolgreich durchsetzen, darf auf meinen Goldesel steigen und alleine weiterfahren. Gott sein Dank. Solche Szenen wiederholen sich dann bis Kashgar abermals! Wie auch immer… Die Einfahrt nach Kashgar ist für mich wie eine Triumphfahrt. Bei der Ortschaftstafel reisse ich meine beiden Hände hoch!!!Geschafft!!!YES!!! Fazit: Es ist machbar mit dem Fahrrad durch diese Wüste zu radeln!Aber nur mit Hartnäckigkeit, mit sehr viel Geduld, dem festen Glauben daran und dem eisernen Willen sowie der Überzeugung, die Stecke aus eigener Kraft zu meistern.
Jetzt heisst es für ein paar Tage ausspannen und an diesem in der früheren Zeit strategisch bedeutenden Ort, wo sich Karawanen der Seidenstrasse aus China trafen um weiter in die arabischen Länder, nach Europa oder Indien zu ziehen, das Leben als Tourist geniessen. Hier in der zentralasiatischen Stadt Kasgar kann man sich leider kaum frei bewegen. An einem einzigen Tag muss ich als Fussgänger ganze 9 Mal meinen Pass präsentieren. Eine solch hohe Polizeipräsens habe ich noch nirgendwo angetroffen. Am Sonntag, beim Besuch auf dem Viehmarkt komme ich einmal mehr ins Stauen. Viele Bauern und Hirten der Umgebung feilschen um Kühe, Pferde, Esel, Ziegen und Schafe. Es herrscht ein angespanntes und turbulentes Treiben.