Zhangye – Jiayuguan – Dunhuang
Kurz nach Zhangye treffe ich auf eine taiwanesische Radlergruppe, welche sich in etwa mit identischem Tempo wie ich fortbewegt und in die gleiche Richtung nach Dunhuang steuert. Im Gegensatz zu mir, der mit kurzen Hosen und ärmelfreiem Trikot fährt und die Haut mit Sonnenschutzfaktor 50 beschmiert, tragen sie alle lange Bekleidung, um sich so vor den Strahlen zu schützen. Acer trägt ein Trikot mit der Aufschrift Velo-Center Amacher, Matten. Er weiss nicht, dass Matten eine Ortschaft in der Schweiz im schönen Berner Oberland in Interlaken ist. Das Trikot wurde ihm geschenkt von einem Taiwanesen, der Europa bereiste. Bei unserem Mittagsstopp gibt es ein feines Gericht, doch viel imposanter ist zu beobachten, wie hierzulande die Tischmanieren sind (Rülpsen, Schlürfen, Rauchen, etc.) und wie die Chinesen ihren Sitzplatz verlassen. Auch wird mir gesagt, dass ein Mann, der viel Alkohol trinken kann, als guter, fähiger, mutiger und starker Mann angesehen wird. Ich habe mich schon etwas darüber gewundert, wie man bei einer Autoraststätte und bereits mittags so viel bechern kann…. Nach der Ankunft in Jiayuguan ist ein Besuch des Forts Pflichtaufgabe. Dazu eignet sich der Ort auch für eine Besichtigung der Great Wall. Dieser Mauerabschnitt bietet eine atemberaubende Kulisse um auf die Bergkuppen im Hintergrund und über die Ebene zu blicken. Wir kommen auf der Nationalstrasse G 312 als Gruppe sehr flott voran und erreichen nun Dunhuang. Die Oasenstadt am westlichen Ende des Hexi-Korridors, kurz vor der Grenze ins Autonome Gebiet Xinjiang, galt als wichtigen Handelsknotenpunkt der alten Seidenstrasse. Hier in der Taklamakan-Wüste liefen die Nord- und die Südroute der Silkroad zusammen. So vereinten sich rasch verschiedene Kulturen und Religionen. Der Buddhismus fand erstmals seinen Weg nach China.
Heute kommen Besucher aus aller Welt um die Mogao-Grotten zu besichtigen, welche auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes stehen. Viele der einzelnen Höhlen, die in ihrer Gesamtheit auch als „Tausend-Buddha-Grotten“ bezeichnet werden, sind noch gut erhalten und zum Teil zugänglich. Die Höhlentempel beinhalten zum Beispiel kunstvolle Malereien im Innern und waren darauf angelegt, den Einstieg in die buddhistische Lehre zu ermöglichen oder etwa die Meditation zu fördern.
Spass bereiten mir auch die Sanddünen, welche ich gerne ohne Velo geniesse.
Das Musical Silkroad rundet das kulturelle Angebot ab und ist ein Highlight der Sonderklasse.