Tarifa – Gibraltar – Murcia – Valencia – Barcelona – Montpellier
Der Startschuss zur 7. Etappe erfolgt in Tarifa, dem südlichsten Punkt auf dem europäischen Festland. Von hier will ich alles dem Mittelmeer entlang bis nach Montpellier pedalen. Der Zielort ist so gewählt, dass ich nach einer Auszeit von drei Wochen wieder meinem Arbeitsleben nachgehen kann.
In Tarifa, wo der Atlantische Ozean und das Mittelmeer ineinanderfliessen, herrscht eine ruhige und friedliche Stimmung. Die Entfernung zum Afrikanischen Kontinent, beträgt nur 14 Kilometer. Doch für mich geht’s in die andere Richtung und mit idealen Wetterbedingungen sowie leichtem Rückenwind vorerst nach Gibraltar. Bin froh, dass da kein Linksverkehr herrscht, so hänge ich gerade noch eine Gibraltar-Runde an meinen heutigen Tagesabschnitt. Um in diesen Stadtstaat zu gelangen, überquert man die Flugpiste via die Winston Churchill Avenue, die bei Start/Landung eines Flugzeuges geschlossen wird. Es handelt sich dabei um den weltweit einzigen Flughafen, dessen Landebahn eine vierspurige Strasse höhengleich kreuzt. Passanten müssen sich dann jeweils 10 Minuten gedulden und dies bis zu 8 Mal täglich. Ich bleibe vom Warten allerdings verschont und habe freie Fahrt. Das nächste Highlight erwartet mich auf dem berühmten Rock of Gibraltar. On the top gibt es nicht nur eine phantastische Aussicht, sondern eine besondere Attraktion sind die freilebenden Berberaffen. Nach diesem kurzen Abstecher nach „Grossbritannien“ bin ich wieder in Andalusien. Entlang der schönen Küstenabschnitte mit der frischen Meeresbrise geht es immer wieder rauf und runter. In Malaga empfängt mich der Herr Picasso persönlich auf dem Plaza de la Merced. Vom Aussichtspunkt unterhalb der Stadtburg bekomme ich einen Einblick in die Stierkampfarena, wo immer noch – auch wenn äusserst umstritten – Stierkämpfe ausgetragen werden. Die Gegend um Almeira wird als „mar del plastico“ (Plastikmeer) bezeichnet und zählt weltweit als die grösste Anbaufläche mit Gewächshäusern unter Folie. Ich schwanke irgendwo zwischen Faszination und Nachdenklichkeit. Abends kaufe ich dann Gemüse direkt aus der Region und weil ich in einem Apartment mit Küche Unterschlupf finde, geniesse ich zum Dinner eine feine Gemüsepfanne.
Die Küste begeistert mich weiterhin. Bereits gibt es zahlreiche Leute, die sich am Strand sonnen und sogar im Meer baden, dabei ist es doch erst März. Uff ich bin nicht wirklich eine Wasserratte…umso glücklicher, dass die Räder wie geschmiert laufen und ich mich rundum wohl fühle auf und mit meinem Carbonesel alias FLOW.
Im Touristenort Benidorm herrscht reger Betrieb. Ich frage mich, wie es sich hier in der Hauptsaison leben lässt. Als nächstes peile ich die Metropole Valencia an. Die drittgrösste Stadt Spaniens, gefällt mir auf Anhieb und es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Attraktionen. Hier könnte ich locker noch ein paar Tage verbringen… Wahrscheinlich werde ich diese City mal als Tourist wiedersehen.
Was ich mir jedoch nicht auf die Warteliste setze ist das typisch spanische Reisgericht, dieses mundet mir heute zum Nachtessen, denn die Stadt an der Mündung des Turia ist Heimatstadt der Paella. Tag für Tag entlang dem Meer immer weiter Richtung Norden. Unzählig erscheinen die Touristenorte und die wunderschönen Strände. Pedalen und nochmals pedalen, jetzt auch durch herrlich riechende Orangenplantagen.
Grundsätzlich kann ich mich unheimlich gut auf das Navigationssystem von Google map verlassen, welches sogar speziell eine Route für Velofahrer empfiehlt. Doch die Einfahrt nach Barcelona ist ziemlich anspruchsvoll. Ich finde den korrekten Weg nicht auf Anhieb. Befinde mich plötzlich sogar auf der Autobahn, schaffe es wieder auf den Radweg und irgendwann präsentiert sich der Arc de Triomf vor mir. Im Gegensatz zu anderen Triumphbögen hat dieser Bogen keinen militärischen Charakter. Mir gefallen die Außenseiten, mit jeweils zwei Engel. Jetzt fahre ich unter dem Bogen durch und es fühlt sich für mich schon etwas triumphal an. Hallo dabei bin ich doch immer noch geschätzte 400 Velokilometer vom Etappenziel entfernt. „Never mind“, es sind eben diese FLOW Momente, einfach grossartig.
Als letzter Übernachtungsort in Spanien, wähle ich den Geburtsort von Salvador Dali. Hier in Figueres gibt es ein super Museum mit Werken von diesem berühmten Künstler. Nun geht es mit Vollgas nach Frankreich…so war mindestens meine Wunschvorstellung. Zum Glück habe ich noch nicht ganz all meine Reserven aufgebraucht, denn der Gegenwind setzt derzeit ganz brutal zu. Auf dem kleinsten Gang mit 13 KM/H kommt man nicht wirklich schnell voran. Bin froh um jeden noch so minimalen Richtungswechsel, welcher vom Frontalwind etwas abweicht. Schliesslich erreiche ich doch noch vor Einbruch der Dunkelheit und entlang den schönen Rebstöcken die Ortschaft Rivesaltes. Aber der heutige Tag war in meiner Fahrtrichtung ein sehr hartes Stück Arbeit. Nach weiteren Reblandschaften und dem Durchqueren von wunderschönen Naturschutzgebieten direkt an der Küste, führt mein Weg bei Palavas-les-Flots landeinwärts nach Montpellier. Der Zähler steht nach 21 Tagen auf 1722 Kilometer.
Voilà das war’s mit der Etappe 7 :-))