Cernovado – Tulcea
Die Etappe noch nicht gestartet, hatte ich bereits einen Platten. Sehr eigenartig. Im Hotel einen Platten? Beim Schlauch ins Wasser tauchen, konnte ich die Ursache am Ventil orten.
Es war also kein Sabotageakt.
Nach einem Tag Bukarest ging es mit dem Taxi nach Cernavoda.
Vor knapp einem Jahr war ich am gegenüber liegendem Ufer der Donau und musste die Tour unfallbedingt abbrechen. Ich hoffe auf dieser Seite hier gibt es keine Hunde. Aber das ist natürlich Utopie. In dieser Gegend wimmelt es nur so von freilaufenden Strassenhunden.
Trotzdem will ich nicht wieder an der exakt selben Stelle durchfahren.
Ich habe mir lange überlegt, wie ich wohl am besten vorgehen soll, wenn es wieder so weit ist und sich mir Hunde bedrohlich näherkommen. Doch heute Abend ist mir ziemlich mulmig zu Mute und ich leide etwas unter Kynophobie. Auf der Anfahrt im Taxi habe ich schon etliche Strassenhunde gesichtet. Und wenn man mit Leuten aus der Gegend ins Gespräch kommt, dann wird man vor Hunden gewarnt. Mein Taxifahrer DAN meinte die Hunde sind hungrig, ich soll jeweils anhalten und ihnen ein Stück Salami geben. Ich stelle mit Schrecken fest, dass ich noch immer kein Rezept habe, wie genau ich mich gegenüber angriffigen Strassenhunden verhalten soll und das macht mich etwas nervös. Nach einer eher schlechten Nacht, erreicht mich am Morgen elektronische Post. Sozusagen von einem Retter in der Not. Ich habe Bernhard, welcher die Donau Route letztes Jahr absolvierte um Rat gefragt, wie er es durch die Hundemeute geschafft hat.
Seine Verhaltensempfehlung erscheint mir plausibel und umsetzbar.
Daraus habe ich mir jetzt folgenden Plan zurechtgelegt:
Wenn es sehr prekär wird und die Situation es erfordert, dann gilt:
- Anhalten und vom Rad steigen.
- Ruhig bleiben und das Velo voranschieben.
- Wenn möglich so, dass das Fahrrad zwischen dem Hund und mir ganz langsam fortbewegt wird. Die Hunde kommen dann zwar bellend bis einen Meter ran. Meistens bleibt es aber dabei und irgendeinmal wird die Lücke zum Tier wieder grösser und man kann weiterfahren.
- Falls der Hund angriffig wird, wenn möglich Gegenstand entgegenhalten.
- Im absoluten Notfall bei Angriff Hundeabwehrspray einsetzen.
Bernhard musste allerdings seinen Spray nie betätigen.
Der Plan mit Punkt 1 bis 4 ist also bereits erprobt und erfolgsversprechend.
OK natürlich hängt alles von der jeweiligen Situation ab.
Trotzdem ist davonfahren und nach hinten schauen wohl gar nicht klug. Dies reizt die Hunde und die Jagd beginnt, was mir vor einem Jahr zum Verhängnis wurde.
Für Punkt 4 habe ich jetzt einen Ast präpariert und schleppe eben etwas mehr Gepäck mit mir.
Spray habe ich allerdings noch keinen. Der muss gleich noch besorgt werden. Leider im 75 KM entfernten Constanta. DAN der Taximanager chauffiert mich wieder. Um 13 Uhr kann ich dann endlich auf mein Gravelvelo steigen und mit der Etappe 5 starten.
Erstmals begleitet mich mein TEDDY, welcher in vorderster Front Ausschau hält!
50 KM später bin ich heil in Harsova angekommen. Der nächste Tag nach Greci verläuft ebenfalls ruhig und führt durch das Territorium der Roma und Sinti Völker. Die Leute sind sehr offen und winken einem von ihren Pferdewagen zu. Die Hunde haben wohl alle Siesta gemacht und mich fahren lassen. Im Hotel angekommen war’s wieder einmal mühsam, das Velo ins Zimmer zu bekommen. Aber nach langen, zähen Verhandlungen kam man meinem Kundenwunsch schliesslich entgegen.
Die Route von Greci bis ans Donaudelta führt durch hügeliges Gelände. Dazu herrscht viel mehr Verkehrsaufkommen als erwartet und plötzlich merkt man wieder, dass gewisse Autofahrer wohl die potenziell grössere Gefahr sind als gewisse Strassenhunde…
Das gesamte Donaudelta gilt als UNESCO Biosphären Reservat. Die Donau mündet bei Sulina ins Schwarze Meer. Der sogenannte KM 0 kann von Tulcea aus nur mit dem Schiff erreicht werden. Um mich von der Königin der Flüsse zu verabschieden tauschte ich für einen Tag den Velosattel mit einem Bootssitz. Zuerst ging’s zum KM null, dann fuhr das Boot noch ein paar Kilometer weiter, bis die Donau schliesslich ins Schwarze Meer fliesst.
Ich habe den Moment sehr genossen und auf mich wirken lassen.