Ruse – Cernavoda (Unfall)

Für den 17.9.2020 habe ich mir mit rund 140 Kilometer eine lange Tagesroute von Calaresi nach Hirsova vorgenommen. Da ich derzeit nicht mit dem Zelt unterwegs bin, richte ich mich nach dem Hotel/Herbergen Angebot und so ergeben sich manchmal eher kurze oder eben etwas lange Fahrstrecken.

Begonnen hat der Tag wie immer, wenn ich “on tour“ bin.

Nach dem Frühstück zuerst 40-50 Minuten Morgengymastik mit vielen Dehnübungen, Blackroll, etc.

Da bin ich immer froh, wenn das schon mal geschafft ist, ich fahre viel lieber Rad! Trotzdem sind die Übungen für das anschliessende Strapazieren der Gelenke äusserst wichtig und sogenannt mittel zum Zweck J.

Dann aufgrund vom SRF Meteo App entscheiden, welche Kleidung Sinn macht. Bei Bedarf Sonnenschutz einschmieren, Getränke anrichten.

Schliesslich geht’s ans Packen. Jeder Gegenstand genau in den jeweiligen Packsack hineingeben, wo er hingehört. Ordnung schafft Sicherheit.

Die beiden Ortlieb Fahrradtaschen sollen, wenn möglich dasselbe Gesamtgewicht aufweisen, damit auch die Balance im Lot ist. Nun langsam aber sicher auf den Weg machen.

 

Ich kam bis zu meinem Mittagsrast sehr gut voran, fühlte mich tip top und motiviert die nächsten Tage noch das restliche Stück entlang der Donau zu fahren. Alternativ könnte man nämlich eine Abkürzung mit dem Donau – Schwarzmeer – Kanal nach Constanta nehmen. Folgt man dieser künstlichen Wasserstrasse, welche die Donau und das Schwarze Meer verbindet, würde man gute 300 KM einsparen. Nur hätte ich dann eben vom Donaudelta nichts gesehen und die „natürliche“ Donau nicht bis ans Ende begleitet.  Zudem führt der Donauradweg via Tulcea.

 

Dass in Rumänien angeblich viele Strassenhunde zu sehen sind, habe ich gelesen, doch offenbar etwas unterschätzt. Allzuviele Gedanken habe ich mir darüber nämlich nicht gemacht. Bisher entkam ich den angriffigen Hunden jeweils in dem ich so schnell wie möglich davonfuhr. Und solche Hunde können überall auf der Welt auftauchen.

Plötzlich hörte ich aus heiterem Himmel von hinten ein wildes Hundegebell. Fahrend drehte ich mich hastig um und sah ein ganzes Rudel auf mich zukommen. Mein Puls schnellte nach oben und die Beine wurden zittrig. Ich bekam panische Angst, denn die Hunde kamen von links und rechts und waren bereits auf meiner Höhe. Ich beschleunigte mein Tempo nochmals aufs Maximum. Diesmal konnte ich den Hundeangriff allerdings nicht abwehren und stürzte vom Velo auf den harten Beton… Als ich wieder zu mir kam, waren die Hunde verschwunden und eine Schar von Personen um mich versammelt. Kurz darauf war auch schon die Polizei vor Ort. Als erstes musste ich in ein Röhrchen blasen…

Nach einer Weile traf die Ambulanz ein und ich wurde ins Spital transportiert. Dort musste ich erneut in ein Rörchen blasen…

Nach ersten Untersuchungen wurde ich in ein grösseres Spital verlegt, wo sie mir schon wieder das Rörchen hinreichten. Diesmal habe ich das aber mit Erfolg verweigert. Schiesslich wurde mir erklärt, dass in Rumänien ein Alkoholtest bei jedem Unfall Standard sei.

Ein gebrochenes Schlüsselbein, eine Hirnerschütterung, mehre Rippen gequetscht und tiefe Schürfwunden am ganzen Körper, führten schliesslich zum Abbruch der Tour. Dank eines super Engagements durch meine Söhne und das Team von Mobi 24, konnte ich rasch repatriert werden, doch bevor es auf die Reise geht wird noch ein Covid Test absolviert.

Das Fahrrad war noch beim Polizeiposten und so benötigte es auch dafür einen ensprechenden Transport zum Spital.

Der Transfer mit dem Ambulanzfahrzeug von Slobozia nach Constanta war brutal schmerzhaft. Der Fahrer fuhr wie an einem Rally mit vollem Tempo über die vielen Bodenwellen… Endlich beim Flughafen angekommen, hat mich die Regacrew empfangen und ich fühlte mich schon halb zu Hause.

Nebst dem Piloten, Co Pilot war noch eine Ärztin sowie ein Flightattendant an Bord und für mich da. In Zürich gelandet, fuhr das Flugzeug in einen eigenen Hangar. Dort wartete das Sanitätsfahrzeug und nahtlos gings samt Fahrrad nach Biel in die Klinik Linde. Die Repatriierung fand ich ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Zudem durfte ich als Unfallopfer auch viele äusserst positive Erfahrungen sammeln. Meine Familie, die Nachbarschaft, mein Chef und viele weitere für mich wichtige Personen waren bei Bedarf zu meiner Seite.

Da der Orthopäde und das Operationsteam mein Schlüsselbein erfolgreich zusammengeflickt haben und es die Physio anschliessend mobil machte, kann ich nächstes Jahr die Route wieder fortsetzen. Dafür bin ich sehr sehr dankbar.

 

 

Weitere Erlebnisse

1

Donaueschingen – Regensburg – Passau

2

Passau – Linz – Wien (Flug nach Belgrad)

3

Belgrad – Negotin – Ruse

4

Ruse – Cernavoda (Unfall)