Sundsvall – Jönköping – Kopenhagen – Gedser – Rostock – Magdeburg – Regensburg
Die Chance in Skandinavien in der freien Natur einem Elch zu begegnen, habe ich als eher hoch eingestuft. Schliesslich bin ich hier mit meinem Gravel-Bike oft auf Naturwegen unterwegs, wo es durch dichte Wälder geht. Doch auch die unzählig vielen „Vorsicht Elch“ Warnschilder entlang der Hauptstrassen, machen den Anschein von häufigen Strassenüberquerungen dieser Wildtiere und bestärken mich in der Ansicht, dass ich keiner Elchsafari beiwohnen muss, noch das es einen Besuch eines Elchparks benötigt. Doch je weiter südlich ich mich nun befinde umso ungeduldiger werde ich und mit jedem weiteren Tag frage ich mich, wann und wo ich wohl den König der Wälder zu Gesicht bekomme. Dort bewegt sich etwas… ich beobachte aus der Ferne…Wieder „nur ein Rentier“. Ein Auto hält an. Der Fahrer fotografiert etwas, aber leider kein Paarhufer in Sicht. Dann kurz nach Sundvall, unglaublich aber wahr, treffe ich auf ein Alpaka und mache sofort ein Foto. Damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet. In Skandinavien ein Andentier, wenn auch hinter einem Gehege zu Gesicht zu bekommen, ist wohl einiges mehr Zufall, denn immerhin sollen allein in Schweden bis zu 400 000 Elche beheimatet sein und gelten hier gar als Nationaltiere. Diese sind zwar eher nachtaktiv, ich radle tagsüber. Trotzdem halte ich weiter Ausschau und bin gespannt. Jetzt eine Tankstelle mit einem Schild Petrol und Elch als Logo. Auch im Souvenirshop gibt’s überall Elche zu sehen, auf Tassen, T-Shirts, Schlüsselanhänger, etc. und natürlich auf Wohnmobilien bei welchen oft Selbstkleber angebracht sind.
In der Velohauptstadt Kopenhagen beeindrucken die unzähligen Fahrradstreifen und es erstaunt nicht, dass die Norrebrogade als der dicht befahrenste Radweg der Welt bezeichnet wird. Hier hat das Fahrrad einen hohen Status und man kann entspannt fahren, was ich sehr geniesse.
Nun bleibt noch ein kleines Stück in Dänemark bis Gedser. Auf dieser Strecke, weht ein genialer Rückenwind und so bin ich richtig schnell unterwegs. Damit schwindet die Hoffnung auf das Rencontre mit dem Elch auf ein Minimum und spätestens bei der Überfahrt mit der Fähre nach Rostock ist es klar…Das lange Warten nimmt sein Ende. Ade Skandinavien, nichts wird es mit einem lebenden Elch.
In Nordost Deutschland fallen mir entlang der Strasse immer wieder Schilder mit lustigen Namen auf. Bei den Ortschaftsschildern, steht nicht einfach wie bei uns bloss die Ortschaft drauf, sondern meistens einiges mehr wie (Landkreis, Kreisstadt Region, etc.). Dann eine Strasse mit Namen Zuchauerstrasse. Nach einer Weile musste ich dann aufhören mit fotografieren, weil der Akku plötzlich leer wird. Irgendwo fand ich zum Glück eine Steckdose zum Aufladen. Nur sollte ich jetzt etwas voranmachen, wenn ich das Tagesziel noch vor Dunkelheit erreichen will, die Tage werden kürzer, ich bin einiges entfernt vom Nordkap und es wird langsam aber sicher herbstlich.
Abends beim Nachtessen geniesse ich gerne auch mal ein Bier. In Skandinavien war es meistens ein alkoholfreies. Nun hier in Deutschland wo vorwiegend nach dem Reinheitsgebot (ein uraltes Rezept) gebraut wird und die Auswahl riesig ist, schmecken mir die „richtigen“ Biere so unheimlich gut, dass ich abends in der Regel ein Bier aus der Region geniesse. In der Stadt Gera, im Ortskreis Thüringen frage ich den Kellner nach dem besten Bier in der Region. Das ist der schwarze Esel meint er. Wie bitte? Ja, der schwarze Esel so heisst das Getränk. Ok gerne probiere ich den. Und ich muss sagen…. es ist so etwas von köstlich… nur mehr als 5 dl liegen dann doch nicht drin, schliesslich will ich am Morgen wieder top fit aufs Rad steigen.
Einen Tag später komme ich in der Stadt Hof an und damit befinde ich mich bereits im Landkreis Bayern. Doch weil mir der schwarze Esel nicht aus dem Kopf geht, bestelle ich beim Abendessen ohne Frage, einen schwarzen Esel. Wie bitte meint die Bedienung. Was möchten Sie trinken? Ich hätte gerne das Bier mit dem Namen der schwarze Esel. Das kenne ich nicht erwidert der Kellner. Ok ich verstehe…. Ich bin hier in Bayern und nicht in Thüringen. Somit gerne ein Bier aus Ihrer Region. Und was steht da auf der Flasche? Gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516. Dieses Bier wurde somit ausschliesslich aus den vier natürlichen Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe hergestellt.
Langsam aber sicher naht der letzte Tagesabschnitt und dieser führt mich von Weiden in der Oberpfalz nach Regensburg. Es ist eine wunderbare Stecke vor allem die Radwege am Fluss Naab. 20 Kilometer vor dem Ziel überholt mich wohl als krönender Abschluss ein E-Bike Fahrer… Schwubs, sofort klebe ich mich an sein Hinterrad, fahre locker in seinem Windschatten und jetzt um einiges schneller mit deutlich weniger Aufwand. So ein Tempomacher ist Gold Wert und würde man sich des Öftern wünschen. Prompt fährt er direkt bis zur Steinernen Brücke und hier ist für mich Endstation. Nach 741744 Pedalumdrehungen, 38 Tagen und 3434 Kilometer im Sattel nun in Regensburg auf der ältesten noch erhaltenen Brücke Deutschlands zu stehen und mit grosser Dankbarkeit über das Erreichte mein Fahrrad hochzustemmen, ist für mich ein unbeschreiblich schöner Moment, verbunden mit tiefen Emotionen.Die Steinerne Brücke gilt als Wahrzeichen der mittelalterlichen Donaustadt und genau an diesem Punkt, mündet meine Etappe 6 (Nordkap) in die Etappe 3 (Donauroute) und eine eindrückliche Reise ist Vergangenheit.