West Kuba

Nach rund 800 Kilometer Fahrt durch das Landesinnere, ist endlich wieder MEER in Sicht. Ich bin in Matanzas. Nun steht der letzte Abschnitt bevor. Auf dem Weg nach Havanna überholt mich eine Velogruppe mit viel Speed…Oha hier trainiert die kubanische Nationalmannschaft. Im Windschatten kann ich gute 20 Kilometer profitieren, dann geht es aber bergauf und ich lasse abreissen…In Havanna verbringe ich jetzt nur eine Nacht, weil ich vor der Heimreise wieder hier hinkomme. Muss dann auch den „berühmten“ Karton für den Velotransport organisieren. Bin im Casa 1932 und diese Unterkunft ist vollgestopft mit Antiquitäten. Sieht aus wie in einem Museum. Der Besitzer Luis mit seinem Wächter Jorge sind ein super Team. Die Hauptstadt ist voller Gegensätze und es gibt einiges zu besichtigen. Zum Abschluss meiner Reise will ich dann noch eine kleine Stadtrundfahrt in einem Oldtimer geniessen, das Rum Museum besuchen und irgendwo in einer Bar ein Mojito schlürfen. Doch jetzt geht es zuerst noch ganz in den Westen und es wird zunehmend verkehrsarmer und ist dünn besiedelt.

Der Challenge um durch das Eingangsgate in den Nationalpark Guanahacabibes zu gelangen ist langwierig und ziemlich fordernd. Denn der Visitor Center ist genau heute den ganzen Tag geschlossen hingegen der Kontrollpunkt offen. Beim Kontrollpunkt kommt man einerseits nur mit Ticket durch und andererseits benötig man einen Tour-Guide, welcher wie das Ticket beim Visitor Center gebucht werden muss. Der Guide steigt in der Regel ins Auto rein und der Besucher fährt begleitet und beaufsichtigt durch den Park. Also verlangt man von mir, dass ich hier nicht mit dem Velo durchfahre. Wenn jemand gerne wissen möchte, wie ich es dann doch geschafft habe LEGAL und unbegleitet in den Park rein zu kommen um 120 Kilometer abzuspulen, kann mich via welcome@cyclingflow.ch kontaktieren. Ich werde diesen Insider Tipp gerne bekannt geben. Ein Veloparadies auf Erden, so nenne ich den Abschnitt von La Bajada nach San Antonio den westlichsten Punkt Kubas, wo sich die Karibik mit dem Golf von Mexiko trifft. Ich pedale 8 Stunden durch den Naturpark über eine raue Kalksteinplattform mit Löchern und messerscharfen, spitzigen Steinchen bekannt als dientes del pierro „Hundezähne“. In dieser Zeit treffe ich auf weniger als 10 Autos. Dafür auf hunderte von Krabben. Eine regelrechte Invasion. Die roten Krabben müssen vom Wald her die Hauptstrasse überqueren um am Strand ihre Eier zu legen. Kunststück für mich ist es keines dieser Tiere zu überfahren und auch dafür zu sorgen, dass meine Reifen von Schaden verschont bleiben. Ohne pannensichere Reifen möchte ich hier nicht unterwegs sein. Ich komme mir vor wie an einem Slalom Wettkampf, welcher zum guten Glück ohne Crash gemeistert wird.

Die Landschaft ist grandios, komme nicht aus dem Stauen raus. Schroffe Küsten, steinige Mondlandschaften, grüne Hänge, Palmen und viele Mangrovenwälder, Strände und Blick aufs Meer. Das Unesco Biosphärenreservat ist sehr artenreich, Leguane, Wildschweine, Krokodile und vor allem die Vogelarten sind bemerkenswert. Unter ihnen Papageien, Eulen, Geier und der kleinste Vogel der Welt, der Hummelkolibri, welcher mir nicht begegnet. Dafür steht plötzlich ein weiterer Leuchtturm vor mir. Ziel erreicht!

Bin ich vielleicht sogar der erste Mensch, der hier auf der Insel Kuba die Stecke vom absolut östlichsten bis zum ganz westlichsten Punkt mit dem Velo zurückgelegt hat? Ich glaube JA!

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